Montag, Juni 04, 2007

Dark Spirit

Zurück zu den wirklich wichtigen Themen des Lebens.
Mir kam heute zu Ohren, dass Frank Miller Drehbuch und Regie beim Film The Spirit übernehmen wird.

Frank Miller kennen inzwischen ja auch weniger trendige oder geekige Menschen, seit sich erst Sin City und dann 300 gut im Kino verkauft haben. Seine Wurzeln hat er in den Superhelden Comics, die er Mitte der Achtziger umgekrempelt und zu einer düsteren Welt voller Gewalt gemacht hat. Damals neu, heute nicht mehr auszuhalten - spätestens seit Dr. Light nur um noch eins draufzusetzen zum Serienvergewaltiger geschrieben wurde.

Der Spirit hingegen ist eine der strahlendsten Comic Erfahrungen meiner Jugend (in den frühen 80ern). Das ganze ist um so erstaunlicher, da die Geschichten zu dieser Zeit bereits 40 Jahre alt waren. Andere Superhelden Geschichten aus dieser Zeit kann man kaum noch ertragen ob ihrer Einfachheit und der stümperhaften Zeichnungen.
Aber der Spirit hatte Wortwitz in der Tradition der Screwball Comedies gepaart mit übertriebenen Krimi Elementen, die mich immer an die späteren Mad Comics erinnert haben. Meistens inspiriert von aktuellen Filmen. Da ist es wenig verwunderlich, wenn die Schurkinnen an Lauren Bacall und Greta Garbo erinnern.
Mein Interesse ist nach wie vor groß und daher wusste ich auch schon seit einiger Zeit, dass Michael Uslan an einer Verfilmung geplant hatte. Und jetzt sowas.

Diese Kombination von vergessenem Potential und aktueller Popularität mag ja ein medienwirksamer Coup sein, aber ich habe starke Zweifel daran, dass Millers plakativer, gewaltätiger, Nutten und Alkohol Crime Noir Stil zum etwas humorvolleren Spirit passt. Film Noir ist ja schon ganz gut, aber Eisner hat immer sehr viel Wert auf die menschlichen und heiteren Seiten gelegt und das geht Miller vollkommen ab. Bei Snuff Filmen wäre er bestimmt besser aufgehoben. Der Spirit braucht eher jemanden wie Ben Stiller, Christopher Nowlan oder am besten Darwyn Cooke als Autor! Der leistet nämlich gerade beachtliches mit dem neuen Spirit Comic.

Sonntag, Juni 03, 2007

Heilige Jugendbewegung!

In der ehemaligen DDR ist mal wieder das Volk auf de Straße. Und man demonstriert gegen die Herrschaft weniger über das Wohl aller. Oder zumindest tun das 99% der Demonstranten. Teilweise sogar sehr kreativ und unterhaltsam, wie selbst Beamte zugeben.
Aber im folgenden mehr zu dem interessanteren Hundertstel.
Entspannt führen Demonstranten einen Einkaufswagen gefüllt mit Steinen vor sich her. Schwarz gekleidete Jugendliche mit Kapuze und Schal spucken Passanten an und entledigen sich unangenehmer Tonassistenten.
Ein Polizeibully wird mit spontan verfügbaren Steinen beworfen. Nachdem der Sachschaden bereits einige Tausend Euro betragen dürfte, greifen sich schwer gepanzerte Polizeikräfte ein paar der Querulanten.

Bei Spiegel TV sieht man einen Spießbürger, der versucht vorbeilaufenden Polizisten ein Bein zu stellen. Ein nachlaufender Polizist, der das gesehen hat, stellt sich ihm tonlos gegenüber. Der offenbar innerlich auf Autopilot stehende Spießbürger, stellt sich ihm entgegen und so stehen die beiden 5 Sekunden Nasenspitze an Nasenspitze, bis der Polizist sich wieder wichtigeren Dingen zuwendet. Ich kann mir lebhaft vorstellen, was sich der Polizist dabei gedacht hat.

Unterdessen haben ehemalige Friedensaktivisten die Ursache für die Eskalation aufgedeckt: Die Polizei hat die "Autonomen" provoziert, indem sie anwesend war.
So weit hätte es nicht kommen dürfen. Die hinterhältigen Polizeiplaner haben das mit voller Absicht gemacht.

Ein anderer Pressebeobachter (ich glaube, er war vom ZDF), der sich auch auf nicht genauer benannte Aussagen von Pressekollegen stützt, erkennt hingegen auch eine eindeutige Schuld bei der Polizei, deren Deeskalationsteams offenbar nicht überall waren. Das kennt man so nicht von unserer Polizei.

Die "Autonomen" sind da anscheinend besser organisiert. Man hat sich ein paar Techniken bei Rechtsradikalen und Hooligans abgeschaut: man steht per Sprechfunk in Kontakt und verteilt sich strategisch in der Stadt. Anders als beim Polizeifunk vermutlich sogar noch mit digital verschlüsselter Übertragung.

Und was motiviert die Steinewerfer? Wohl nicht die Globalisierung, denn sonst hätte man nicht Kleinwagen und Mülleimer in Brand gesetzt, Fenster eingeworfen und Parkuhren aufgebrochen.

Merksatz: Freiheit bedeutet, dass man sich von niemandem etwas vorschreiben zu lassen hat. Aber Kants kategorischer Imperativ gebietet einen gewissen Respekt vor den Mitmenschen. Und damit das auch alle Begreifen, guckt einem die Polizei auf die Finger. Anarchie hat nichts mit Freiheit zu tun.

Was man mit so viel überschüssiger Energie konstruktiv anfangen könnte. Spargel ernten nur mal so zum Beispiel.

Montag, April 02, 2007

wie ich die Welt hätte verändern können

Hier mal eine Liste von meinen "Projekten", d.h. Ideen, die mir beim Aufräumen in die Finger gekommnen sind.
Die sind alle schon 10 Jahre alt. Damals wären sie noch cool gewesen, aber inzwischen wurden sie von irgendjemand anderem umgesetzt:

  • ca. 1994: ein Tatikspiel mit Superhelden. Meine Anmerkungen waren "Multiplayer wie Battleisle", "Konstruktion über Polygone wie bei Quake". Dazu eine perspektivische Zeichung, auf die ich noch ein wenig stolz war, bevor ich das Blatt zum Altpapier gegeben habe. Mit Freedom Force (2002) bin ich mehr als zufrieden.

  • ca. 1995: die ultimative Simpsons Site (ich hatte sogar mal meine eigene Seite!) Inzwischen gibt es zahllose Seiten, die in Bezug auf Interaktivität nicht meinen Ansprüchen genügen würden, aber gleichzeitig die Messlatte so hoch legen, dass ich gar nicht erst darüber nachdenke, eine neue Site zu bauen.

  • 1998: Nachdem ich das gleichnamige Buch von Martin Fowler gelesen hatte, kam mir die brillante Idee Java Refactorings auf Knopfdruck zu ermöglichen. Doch während ich nie über stümperhaftes Parsen mit ANTLR hinausgekommen bin, beherrscht eclipse die wichtigsten Veränderungen fehlerfrei.

  • 1998: Eine Site zu den drei Fragezeichen. Aber Rocky Beach läßt keine Fragen offen.

  • 1998: Eine Geschichte mit den drei Fragezeichen. Ich hatte ein paar gute Ideen, aber es fehlte immer noch der entscheidende Kniff, der Anfang und Ende zusammen hielt. Da der aktuelle Rechtsstreit mir die Lust auf neue Geschichten verhagelt hat, wird daraus wohl nichts.

  • 1999: Eine SID Site (Musik aus C64 Spielen) mit der Möglichkeit die Stücke zu bewerten und einer Bestenliste. Ich hätte natürlich meine Lieblingsstücke nach oben gesetzt. Aber auch hier gibt es genügend Seiten mit C64 Spielen, Bildern und Musik, die ich hier nicht nennen werde, weil die von irgendwelchen Abenteurern verklagt werden, die meinen das Urheberrecht von Software schützen zu müssen, die sich vor 15 Jahren schon nicht mehr verkauft hat.

Ich habe noch mindestens 10 weitere "Projekte". Aber darüber wird nichts verraten, weil ich die Hoffnung habe, dass daraus doch mal irgendwann etwas wird.

Sonntag, April 01, 2007

Mein persönlicher Verfall der Sitten

Da hatte ich zwei Wochen Urlaub und habe nichts zuwege gebracht. Mittags aufstehen, Fernseher an, langweilige online-Spiele spielen. Dusche und Frühstück um 16 Uhr. Fernseher aus um 3 Uhr morgens.

Ich brauche mal wieder jemanden, der mir sagt, wo's lang geht. Früher habe ich mir dann Henry Rollins aufgelegt, um mich mal wieder gepflegt eine halbe Stunde anbrüllen zu lassen. Inzwischen überwiegt aber die Sorge um mein Gehör. Fernsehen ist Opium für's Volk und ich bin abhängig.

Aber dann kommt jemand wie Roger Willemsen, den ich zu Schulzeiten noch als großen Langweiler empfand, zu Harald Schmidt, der sich mit lieblos zusammengewürfelten Versatzstücken aus Kultur und Tagesgeschehen durch seine Sendung quält und mich nur gelockt hat, weil er die Geschichte hinter dem Comic/Film 300 mit Playmobilfiguren nachgestellt hat.
Und ich hänge an Willemsens Lippen. Finde alles was er sagt geistreich und interessant. Und ich denke: verdammt!
In meiner etwas verklärten Erinnerung hatte ich früher auch einmal einen Draht zur Kultur, habe gerne gelesen. Stattdessen sehe ich den ganzen Abend fern und tippe Stammtischreden in mein Blog.

Um mich wieder etwas in die richtige Spur zu bringen, werde ich in den nächsten Tagen mal eine Meditationsstunde einführen. Wenn ich nach hause komme, setze ich mich eine Stunde in mein Schlafzimmer. Dort steht seit Jahren ein Schreibtisch, den ich für diesen Zweck gekauft habe. Aber den staube ich nur einmal im Jahr ab, wenn ich meine Steuererklärung machen muss. Jetzt will ich mich eine Stunde lang zwingen dort zu sitzen, damit mir so langweilig wird, dass ich beginne irgendetwas sinnvolles tun. Schreiben, zeichnen, lesen oder einfach nur das Zimmer aufräumen.

Deutschland wählt die Underdogs

Ja, ich gebe zu: ich sehe gelegentlich DsdS.
Diesesmal habe ich nur das Ende gesehen und mich königlich über die langen Gesichter der Jury amüsiert. Ausgeschieden ist (wie in fast jeder Staffel) die designierte Siegerin, Francisca Urio.
Aber wenn die Überlegenheit so klar ist, schwenken die Sympathien der handybesitzenden deutschen Teenies zu dem Kandidaten um, von dem man gerne entjungfert werden möchte. Und das scheint sich relativ gleichmäßig auf alle anderen Kanditaten zu verteilen - nur eben nicht auf Frl. Urio. Das kann ich persönlich nicht nachvollziehen, aber da erinnere ich mich an die Worte von Bohlen, der in einer der letzten Sendungen zu ihr sagte, sie wirke zu perfekt und das würde die kleinen Jungs abschrecken. Da dachte ich natürlich nur, der alte Mann will sie knattern, mag aber keine starken Frauen. Aber siehe da: er hatte recht. Sie bekam die wenigsten Anrufe.

Aber sie konnte darüber nur lachen. Warum auch nicht. Vermutlich hat sie schon mehrere Anfragen für Plattenaufnahmen sicher. Vielleicht hätte sie doch ein wenig traurig sein sollen, denn sie hat noch einen drei Jahre dauernden Vertrag mit den Machern von DsdS, die bei jeder Aktivität Geld abschöpfen dürfen.
Nur die können sich ihren Wettbewerb jetzt rektal einführen, weil der Sieger (Mark Medlock oder Lisa Bund) immer nur der Beste vom Rest bleiben wird.

Das war mal ein erster April nach meinem Geschmack.

Mittwoch, Januar 17, 2007

Waffen töten

Die ortsansässige Ermittlungskommission der Metzelkinder von Tessin sucht jetzt nach Gewaltspielen.
Aber angeblich fanden sie nur Computerspiele, die ab 12 Jahren freigegeben waren, auf den Rechnern der Übeltäter. So ein Ärger. Ein empfindlicher Rückschlag für die These, dass Computerspiele Schuld am Unglück der Welt sind.
Ungeachtet dessen fordern im Fernsehen Anwohner über 60 Jahren und das Oberbayerische Volksblatt ein umgehendes Verbot aller Computerspiele, äh, Killerspiele.

Ein Kardinalverdacht liegt auf "Final Fantasy II" (mglw ein Tippfehler des Berliner Kuriers, den m.E. ist das Spiel ca 15 Jahre alt - Korrektur: gemeint war Final Fantasy XI also 11.). Die Kinder hätten nach dem Spielen dieses Killerspieles ab 12 Jahren die Idee mit einem Messer zum Spielen rauszugehen gehabt. "Mutti, wir gehen raus, spielen. Ich nehme die Steakmesser mit." - "Ist gut, Schatz."

Aber mal ehrlich. Als ich 11 war, hat mich überraschend eines der Kinder aus meiner Klasse zum Spielen aus dem Haus geholt. Nachdem er mir gezeigt hat, wo er wohnt, holte er eine Gaspistole mit Munition aus einem Schrank und wollte nur mal zum Spass eine Patrone in einer Pfütze abfeuern. Da ich aber schon immer ein Schisshase war, war das gemeinsame Spielen danach für mich erledigt. Homecomputer gab's damals noch nicht. Bescheuerte Kinder gab es immer schon.

Wenn es also nicht Computerspiele waren, waren es vielleicht Handyspiele? Mit Sicherheit hatte jedes der Kinder ein Handy. Noch wahrscheinlicher sind natürlich Klingeltöne.
Aber ich habe jetzt den gemeinsamen Nenner aller Vorfälle entdeckt:
Alle Kinder gingen zur Schule!

So, genug gelacht. Aber ernsthaft - warum finden die Massaker meistens in Schulen und an Lehrern oder Mitschülern statt? Weil Kinder die Schule und ihre Mitschüler hassen! Ganz einfach.
Jeder hasst mal die Schule, weil man nicht dazugehört, gehänselt wird oder weil man feststellen muss, dass das Leben nicht immer ein Kinderspiel ist. Nur wurden Kinder früher nach der Schule in ein soziales Umfeld entlassen, in dem solche Probleme angesprochen oder durch Selbstwertgefühl kompensiert wurden.
Aber viele Eltern sind nach ihrem Tagwerk zu erledigt, um sich auch noch die Sorgen anderer anzuhören und überlassen ihre Kinder dem Fernsehen und dem Computer. Aha, Computer? Ja, aber Computer bieten nur das gleiche, was Karl May meinen Eltern bot - Phantasiewelten. Ein alternatives Leben. Deshalb haben Kinder früher Cowboy und Indianer gespielt. Mit Holzpistolen (... man hatte ja nichts). Aber heute haben sie anscheinend zum einen keine Probleme in Besitz von echten Waffen zu kommen und zum anderen weniger Hemmungen andere Menschen zu verletzen.

Woran liegt das? Mangelnde Erziehung und der Niedergang des Ostblocks. Was wofür ursächlich ist, muss jeder selbst entscheiden.

Dienstag, Januar 09, 2007

Meisterschaft für Dauerglotzer

Ich würde mir mal eine deutsche Zappingmeisterschaft wünschen.
Dabei muss man möglichst schnell Filme und Serien erkennen. D.h. man bekommt einen Clip vorgespielt und wenn man ihn erkannt hat, springt man zum nächsten Clip. Und wer zuerst am Ende angekommen ist, bzw. eine vorgegebene Anzahl von Clips richtig erkannt hat, hat gewonnen.

Z.B. Farbfilm ca. 60er. man sieht Kornfelder. In der Mitte eine Strasse. Ein Bus kommt -> Der Unsichtbare Dritte
Schwarzweiss. Nebel. Eine Propellermaschine wartet mit laufenden Motoren -> Casablanca
Farbfilm ca 90er. Edward Norton mit Hemd und Krawatte und mit einem großen Blauen Fleck an der linken Schläfe. -> Fight Club
Farbfilm ca 80er. Hubschrauberkamera. Ein Auto fährt eine kurvige Strasse durch eine gebirgige Waldlandschaft. -> Anfang Shining oder Ende Bladerunner

Für Fortgeschrittene kann man auch weniger bekannte Szenen nehmen, bei denen die Kamerafahrten oder Beleuchtung o.ä. den Hinweis geben.

Mir passiert es immer wieder, daß ich Filme bereits nach zwei Sekunden erkenne. Selbst Filme, die ich noch nie gesehen habe, erkenne ich an Filmmaterial, Thema und Bildsprache.
Das muss man doch irgendwie zu Geld machen können.

Für einen Wettbewerb braucht man eine DVD mit nahezu zufällig zusammenstellen Clips, so dass man von einem Clip zum nächsten vorspulen kann. Mir fehlen die technischen Kenntnisse um entsprechende DVDs herzustellen. Aber vielleicht macht das ja mal jemand...