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Dienstag, April 01, 2008

imba

Zukünftige Sitzenbleiber führen derzeit ein neues Wort in die deutsche Sprache ein. Es lautet "imba" und ersetzt cool (zu veraltet), krass (zu ghetto) und ultra (zu affig).

Dabei ist "imba" die Kurzform von "imbalanced", was rein gar nichts in dieser Richtung bedeutet.

Wie jemand in einem Forum dargelegt hat, stammt die Umdeutung daher, dass die WoW Spieler, die mit ihren ganz passabelen Spielfiguren ständig gegen bestimmte Charakterklassen verlieren, diese als imbalanced schimpfen, weil es ja nicht sein kann, dass ihr eigener Charakter Schwächen hat.

Ich habe noch nie WoW gespielt, aber ich stelle mir das in etwa so vor:
Idi (erspäht potentiellen Gegner): Schönen Ring hast du da. Gib her!
Gegner: Zieh Leine.
Idi: Ich schlag dich Krankenhaus!!!11!
Gegner schützt sich mit einem Spruch gegen physische Angriffe, verlangsamt den angreifenden Paladin und schickt ein paar Feuerbälle.
Idi zieht seine Ogertöter Axt mit Schaden +400 und Trefferchance -200.
Magier wirft weitere Feuerbälle.
Idi stirbt.
Idi: Cheater! Dich werd ich melden.

Gegner: Lerne zaubern, dann weißt Du dass alles ganz normal war.

Idi: Magier sind voll imba.

Andere Spieler lesen die Kommentare ohne den jammernden Tonfall zu hören und denken sich, dass die Spieler, die gewonnen haben eigentlich ziemlich cool sind. Und wenn man sich mit Abkürzungen nicht so auskennt und Akronyme wie "lol" und "rofl" laut ausspricht, denkt man sich "imba" bedeute, dass diese Charakterklassen von besonderer Güte seien.

Der Vorwurf, es gebe ein Ungleichgewicht zwischen den Charakterklassen, ist hahnebüchen, weil ein gutes Spiel von Ungleichgewichten (d.h. Stärken und Schwächen) lebt. Man denke an Stein, Schere, Papier. Wenn man die Schere so hochleveln könnte, dass sie auch durch Steine schneidet, verliert das Spiel seinen Reiz. Aber die Schere wird immer Papier schneiden, da kann das Papier noch so viel jammern. Und auch starke Magier werden gegen irgendetwas verwundbar sein.

Jemand der ein Wort wie imbalanced abkürzt, hat also entweder keine Ahnung, was er gerade sagt, oder er ist ein Einzelkind.

Sonntag, Juni 24, 2007

LOL v2

I'M STEALIN SUMMA UR FOOD, K THX BAI.

Mit moderner Technik wird Geschichtsfälschung immer einfacher. In hundert Jahren, werden nur noch Experten wahre und erfundene Ereignisse auseinanderhalten können.

Jemand namens Apelad berichtet in seinem Blog z.B. von den "Lough-Out-Loud Cats" die sein "Vorfahr" erfunden hat.

Und dann gibt es noch eine neue Programmiersprache, zu deren Befehlsstandard noch jederman Vorschläge machen darf: LOL-Code
Die wichtigste Eigenschaft der Sprache ist ein klar lesbarer Text. BASIC hatte seinerzeit den gleichen Anspruch, aber so spricht ja heute keiner mehr:
for i = 1 to 10
    print i
next i


Heute verzichtet man auf Kleinbuchstaben und verwendet Begriffe, die jeder kennt:
HAI
CAN HAS STDIO?
I HAS A VAR
IM IN YR LOOP
    UP VAR!!1
    VISIBLE VAR
    IZ VAR BIGGER THAN 10? KTHXBYE
IM OUTTA YR LOOP
KTHXBYE


Auch wenn ich immer noch Leute schlagen möchte, die Dinge wie "lolige Map" schreiben (oder schlimmer noch sagen), aber diese Vorführung schlechten Stils gibt mir Hoffnung, dass auch die nächste Generation noch zwischen Hochsprache und Kindersprache unterscheiden können wird.

Mittwoch, Juni 06, 2007

Muttersprache - nein Danke.

Fernsehen kann ganz schön an den Nerven zerren.

Von der Werbung erwartet man man ja nichts anderes mehr. Da sitzen ein paar Werbefuzzis und sollen sich den ganzen Tag lang griffige Schlagworte ausdenken. Aus dieser gerade noch liebenswerten Mischung aus Coolness und Idiotie kommen dabei dann Begriffe wie "Cerealien" heraus. Aber nach 14 Stunden Arbeit hätte ich auch keine Lust mehr, mir einen Kopf darüber zu machen, wie denn die Worte im Pflichtenheft wohl in der eigenen Muttersprache heissen könnten.

Diese Gedankenfaulheit macht auch vor Akademikern nicht halt. In einer Diplomarbeit habe ich einmal den Ausdruck "Minimisierung" gelesen. Wenn man etwas nicht ständig trainiert, verlernt man es anscheinend wieder.

Aber die Berieselung durch das Fernsehen ist noch viel verheerender. Da man bei der Werbung zwar geistig abschaltet, aber die amerikanischen Serien mit Interesse verfolgt, wird die dort vorherrschende Sprache zum de facto Standard. Aber wer übersetzt da? Staatlich geprüfte Übersetzer? Oder wenigstens Menschen mit einem Interesse an der eigenen und der englischen Kultur? Es macht nicht den Eindruck.
Englisch kann schließlich jeder. Nein Moment, jeder denkt, daß jeder Englisch kann!
Aber vermutlich können die Übersetzer sogar sehr gut englisch. Sie kommen nur nicht dazu über das nachzudenken, was sie da schreiben. Da werden dann in einem Monat 23 Folgen einer US-Serie übersetzt ohne wirklich Korrektur gelesen zu werden. Im nächsten Monat werden dann alle Folgen nach Sprechern aufgeteilt eingelesen, so daß Dialoge teilweise haarstäubend an einander vorbeigehen.

Aber die schlimmsten Übersetzungen sind die, die so unsinnig sind, daß ich sie schon ganz automatisch ins Englische zurückübersetze und sie dort erschreckenderweise eine vernünftige Aussage haben, weil der Übersetzer eine Methapher, ein Sprichwort oder kulturelle Anspielung nicht erkannt und stattdessen einfach Wort für Wort übersetzt hat. Sonderlich sinnvoll mag es nicht gewesen sein, aber die Zeit musste ja gefüllt werden.
Im Fensehen ist entschieden zu viel Unsinn zu hören, denn inzwischen ertappe ich mich schon dabei, daß ich versuche deutsche Serien zurückzuübersetzen. Mit mäßigem Erfolg.

Aber zunehmend schleichen sich immer gleiche Übersetzungsfehler ein, so daß ich mir Gedanken mache, ob die Übersetzer einfach nicht aus ihren Fehlern lernen wollen oder ob sich inzwischen die Meinung versteift hat, die Übersetzung sei richtig.


Sagt man einem kleinen Mädchen etwa, sie solle ihre "Röcke" nicht so hoch ziehen?

Nein, aber ich höre ständig, daß sich jemand seine "Hosen" schmutzig gemacht hat. Da müsste mir schon ein Malheur direkt vor meinem Kleiderschrank passieren.
Hose, Schere, Brille - alles Singular.

Donnerstag, Juni 29, 2006

Gedankenfraß

In den letzten Jahren lege ich vor dem Schlafengehen manchmal ein Hörspiel aus meiner Kindheit in meinen PDA. Das ist nicht immer entspannend, hilft aber um das Aggitationslevel auf ein schlafbares Niveau zu senken.
Und nachdem ich meine ??? Kassetten alle durch hatte, habe ich mich nach anderem Stoff umgesehen. Das nächstbeste waren die TKKG Kassetten. Die konnte ich damals schon nicht ausstehen, weil die Titelmelodie so unerträglich war. Das hat mich vermutlich vor großem Schaden bewahrt. Denn jetzt im Abstand von 20 Jahren wird mir schon fast physisch übel bei den bieder-reaktionären Ansichten, die in jeder Folge vermittelt werden.

Kinder von Verbrechern sind grundsätzlich Strolche und Klassenrüpel. Punker, Rocker, Vegetarier und anderes suspektes Pack, einfach jeder, der nicht normal ist, muss verhaftet werden. Das macht die Ermittlungen einfacher, weil man immer nur den auffälligsten Leuten nachspionieren muss, und schon erfährt man über irgendwelche kriminellen Machenschaften.
Und wenn man mit Scharfsinn nicht weiterkommt, lösen angedrohte Prügel jedes Problem.

Und der Faden der Indoktrinierung zieht sich sogar bis in halbwegs aktuelle Folgen. In der neuesten Folge, die ich gehört habe, gab es folgende Highlights:
  • Zum Thema Aborigines: "die reiten auf Känguruhs und werfen mit Boomerangs."
  • Beim Radfahren wurde telephoniert. Das wiederspricht geltendem Recht und wurde kurz thematisiert. Aber scheiss drauf. "Ich hatte ja den Verkehr im Blick."
  • Einem angetrunkenen Verdächtigen hat Bandenmitgleid Carsten die Brieftasche geklaut, weil man sonst den Namen und die Adresse nicht rausbekommen hätte.
Merke: ein Hobbydetektiv muss sich nicht an alle Gesetze halten. Nur Kapitaldelikte sind verboten - der Rest ist diskutabel.

Ich kann nur eindringlich vor diesen Machwerken warnen!

Montag, Mai 22, 2006

Harte und weiche Konsonanten sind so verwirrend

Ich habe gerade wieder zu lang fern gesehen und mich etwa eine halbe Stunde lang von einer Frauenstimme bequatschen lassen, ich solle mir ein Gerät kaufen, mit dem mein Haar "klatt und klänzend" werden würde. Keine Gefahr, daß mein Haar "auszudrocknen" drohe.
Es ginge einfach "eins, zwei, trei".

Ich möchte wetten, daß etwa die Hälfte der "bestellen Sie jetzt unter..."-Sprecher kein vernünftiges Hochdeutsch beherrscht oder angeborene Sprachfehler hat. Gut, die meisten davon sind Österreicher. Aber wenn man solche Werbungen produziert, muß man sich doch irgendwann anhören, was dabei raus kommt. Oder gibt es Studien darüber, daß seltsame Sprecher weniger bedrohlich wirken oder man unbewußt nach dem Telephon greift?

Eigentlich sollte man daraus einen Sketch machen. In der Art:
"Ich habe mein Haar geklettet - schon durch die Tritte Anwendung."

Aber ich glaube, ich bestelle mir lieber die großen Hitklassiker der 50er Jahre.

Freitag, Mai 19, 2006

Die Menschen von der Straße

Um einem den Kater zu versüßen, zeigen die Dritten Programme und 3Sat (das andere Dritte Programm) an Sonntagvormittagen gelegentlich mal alte, öffentlich rechtliche Sendungen aus den 60ern und 70ern, in denen man einen Eindruck vom Lebensstil der Zeit bekommen soll.

Ist eigentlich schon einmal jemandem aufgefallen, daß in den Straßeninterviews der Zeit die Leute alle furchtbar räudig aussehen - einfache Kleidung, fettige Haare, ungepflegte Haut. Aber selbst Leute, die nach Bergleuten oder Bauern aussehen und bei denen die Wahrscheinlichkeit einer lückenhaften Schulbildung bedingt durch den Krieg relativ hoch ist, bemühen sich nach bestem Können einen guten Eindruck zu machen, indem sie ihre Worte sorgfältig wählen und sie so sauber wie möglich artikulieren.

Heute ist das umgekehrt.
Die Menschen von der Straße, die heute im Fernsehen präsentiert werden, sehen alle tip top geschniegelt aus und sprechen, als hätten sie den Mund voller Sabber und wären zu lange in der Sonne gewesen. Und nicht alle davon machen Hip-Hop.