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Dienstag, Juli 28, 2009

"Nicht jeder, der trinkt, wird deswegen zum Schläger"

Und wieder ein Gerichtsurteil. Dieses mal wurde entschieden, dass es Gemeinden nicht erlaubt ist offenen Suff zu verbieten.

In Freiburg war für Wochenenden Alkoholgenuss auf öffentlichen Plätzen untersagt - in der Hoffnung damit Schlägereien und ähnliche Alkoholdelikte vermeiden zu können.
Die von der Presse kolportierte Begründung des Klägers war: "Nicht jeder, der trinkt, wird deswegen zum Schläger". Das Gericht erklärte die Verordnung für zu pauschalisierend, Einzelfallentscheidungen seien eine Notwendigkeit.

Warten wir mal ab, wie sich Gerichte zu den sich anbahnenden Computerspiel Verboten entscheiden werden.

Dienstag, April 01, 2008

imba

Zukünftige Sitzenbleiber führen derzeit ein neues Wort in die deutsche Sprache ein. Es lautet "imba" und ersetzt cool (zu veraltet), krass (zu ghetto) und ultra (zu affig).

Dabei ist "imba" die Kurzform von "imbalanced", was rein gar nichts in dieser Richtung bedeutet.

Wie jemand in einem Forum dargelegt hat, stammt die Umdeutung daher, dass die WoW Spieler, die mit ihren ganz passabelen Spielfiguren ständig gegen bestimmte Charakterklassen verlieren, diese als imbalanced schimpfen, weil es ja nicht sein kann, dass ihr eigener Charakter Schwächen hat.

Ich habe noch nie WoW gespielt, aber ich stelle mir das in etwa so vor:
Idi (erspäht potentiellen Gegner): Schönen Ring hast du da. Gib her!
Gegner: Zieh Leine.
Idi: Ich schlag dich Krankenhaus!!!11!
Gegner schützt sich mit einem Spruch gegen physische Angriffe, verlangsamt den angreifenden Paladin und schickt ein paar Feuerbälle.
Idi zieht seine Ogertöter Axt mit Schaden +400 und Trefferchance -200.
Magier wirft weitere Feuerbälle.
Idi stirbt.
Idi: Cheater! Dich werd ich melden.

Gegner: Lerne zaubern, dann weißt Du dass alles ganz normal war.

Idi: Magier sind voll imba.

Andere Spieler lesen die Kommentare ohne den jammernden Tonfall zu hören und denken sich, dass die Spieler, die gewonnen haben eigentlich ziemlich cool sind. Und wenn man sich mit Abkürzungen nicht so auskennt und Akronyme wie "lol" und "rofl" laut ausspricht, denkt man sich "imba" bedeute, dass diese Charakterklassen von besonderer Güte seien.

Der Vorwurf, es gebe ein Ungleichgewicht zwischen den Charakterklassen, ist hahnebüchen, weil ein gutes Spiel von Ungleichgewichten (d.h. Stärken und Schwächen) lebt. Man denke an Stein, Schere, Papier. Wenn man die Schere so hochleveln könnte, dass sie auch durch Steine schneidet, verliert das Spiel seinen Reiz. Aber die Schere wird immer Papier schneiden, da kann das Papier noch so viel jammern. Und auch starke Magier werden gegen irgendetwas verwundbar sein.

Jemand der ein Wort wie imbalanced abkürzt, hat also entweder keine Ahnung, was er gerade sagt, oder er ist ein Einzelkind.

Sonntag, Juni 03, 2007

Heilige Jugendbewegung!

In der ehemaligen DDR ist mal wieder das Volk auf de Straße. Und man demonstriert gegen die Herrschaft weniger über das Wohl aller. Oder zumindest tun das 99% der Demonstranten. Teilweise sogar sehr kreativ und unterhaltsam, wie selbst Beamte zugeben.
Aber im folgenden mehr zu dem interessanteren Hundertstel.
Entspannt führen Demonstranten einen Einkaufswagen gefüllt mit Steinen vor sich her. Schwarz gekleidete Jugendliche mit Kapuze und Schal spucken Passanten an und entledigen sich unangenehmer Tonassistenten.
Ein Polizeibully wird mit spontan verfügbaren Steinen beworfen. Nachdem der Sachschaden bereits einige Tausend Euro betragen dürfte, greifen sich schwer gepanzerte Polizeikräfte ein paar der Querulanten.

Bei Spiegel TV sieht man einen Spießbürger, der versucht vorbeilaufenden Polizisten ein Bein zu stellen. Ein nachlaufender Polizist, der das gesehen hat, stellt sich ihm tonlos gegenüber. Der offenbar innerlich auf Autopilot stehende Spießbürger, stellt sich ihm entgegen und so stehen die beiden 5 Sekunden Nasenspitze an Nasenspitze, bis der Polizist sich wieder wichtigeren Dingen zuwendet. Ich kann mir lebhaft vorstellen, was sich der Polizist dabei gedacht hat.

Unterdessen haben ehemalige Friedensaktivisten die Ursache für die Eskalation aufgedeckt: Die Polizei hat die "Autonomen" provoziert, indem sie anwesend war.
So weit hätte es nicht kommen dürfen. Die hinterhältigen Polizeiplaner haben das mit voller Absicht gemacht.

Ein anderer Pressebeobachter (ich glaube, er war vom ZDF), der sich auch auf nicht genauer benannte Aussagen von Pressekollegen stützt, erkennt hingegen auch eine eindeutige Schuld bei der Polizei, deren Deeskalationsteams offenbar nicht überall waren. Das kennt man so nicht von unserer Polizei.

Die "Autonomen" sind da anscheinend besser organisiert. Man hat sich ein paar Techniken bei Rechtsradikalen und Hooligans abgeschaut: man steht per Sprechfunk in Kontakt und verteilt sich strategisch in der Stadt. Anders als beim Polizeifunk vermutlich sogar noch mit digital verschlüsselter Übertragung.

Und was motiviert die Steinewerfer? Wohl nicht die Globalisierung, denn sonst hätte man nicht Kleinwagen und Mülleimer in Brand gesetzt, Fenster eingeworfen und Parkuhren aufgebrochen.

Merksatz: Freiheit bedeutet, dass man sich von niemandem etwas vorschreiben zu lassen hat. Aber Kants kategorischer Imperativ gebietet einen gewissen Respekt vor den Mitmenschen. Und damit das auch alle Begreifen, guckt einem die Polizei auf die Finger. Anarchie hat nichts mit Freiheit zu tun.

Was man mit so viel überschüssiger Energie konstruktiv anfangen könnte. Spargel ernten nur mal so zum Beispiel.

Sonntag, April 01, 2007

Deutschland wählt die Underdogs

Ja, ich gebe zu: ich sehe gelegentlich DsdS.
Diesesmal habe ich nur das Ende gesehen und mich königlich über die langen Gesichter der Jury amüsiert. Ausgeschieden ist (wie in fast jeder Staffel) die designierte Siegerin, Francisca Urio.
Aber wenn die Überlegenheit so klar ist, schwenken die Sympathien der handybesitzenden deutschen Teenies zu dem Kandidaten um, von dem man gerne entjungfert werden möchte. Und das scheint sich relativ gleichmäßig auf alle anderen Kanditaten zu verteilen - nur eben nicht auf Frl. Urio. Das kann ich persönlich nicht nachvollziehen, aber da erinnere ich mich an die Worte von Bohlen, der in einer der letzten Sendungen zu ihr sagte, sie wirke zu perfekt und das würde die kleinen Jungs abschrecken. Da dachte ich natürlich nur, der alte Mann will sie knattern, mag aber keine starken Frauen. Aber siehe da: er hatte recht. Sie bekam die wenigsten Anrufe.

Aber sie konnte darüber nur lachen. Warum auch nicht. Vermutlich hat sie schon mehrere Anfragen für Plattenaufnahmen sicher. Vielleicht hätte sie doch ein wenig traurig sein sollen, denn sie hat noch einen drei Jahre dauernden Vertrag mit den Machern von DsdS, die bei jeder Aktivität Geld abschöpfen dürfen.
Nur die können sich ihren Wettbewerb jetzt rektal einführen, weil der Sieger (Mark Medlock oder Lisa Bund) immer nur der Beste vom Rest bleiben wird.

Das war mal ein erster April nach meinem Geschmack.

Mittwoch, Januar 17, 2007

Waffen töten

Die ortsansässige Ermittlungskommission der Metzelkinder von Tessin sucht jetzt nach Gewaltspielen.
Aber angeblich fanden sie nur Computerspiele, die ab 12 Jahren freigegeben waren, auf den Rechnern der Übeltäter. So ein Ärger. Ein empfindlicher Rückschlag für die These, dass Computerspiele Schuld am Unglück der Welt sind.
Ungeachtet dessen fordern im Fernsehen Anwohner über 60 Jahren und das Oberbayerische Volksblatt ein umgehendes Verbot aller Computerspiele, äh, Killerspiele.

Ein Kardinalverdacht liegt auf "Final Fantasy II" (mglw ein Tippfehler des Berliner Kuriers, den m.E. ist das Spiel ca 15 Jahre alt - Korrektur: gemeint war Final Fantasy XI also 11.). Die Kinder hätten nach dem Spielen dieses Killerspieles ab 12 Jahren die Idee mit einem Messer zum Spielen rauszugehen gehabt. "Mutti, wir gehen raus, spielen. Ich nehme die Steakmesser mit." - "Ist gut, Schatz."

Aber mal ehrlich. Als ich 11 war, hat mich überraschend eines der Kinder aus meiner Klasse zum Spielen aus dem Haus geholt. Nachdem er mir gezeigt hat, wo er wohnt, holte er eine Gaspistole mit Munition aus einem Schrank und wollte nur mal zum Spass eine Patrone in einer Pfütze abfeuern. Da ich aber schon immer ein Schisshase war, war das gemeinsame Spielen danach für mich erledigt. Homecomputer gab's damals noch nicht. Bescheuerte Kinder gab es immer schon.

Wenn es also nicht Computerspiele waren, waren es vielleicht Handyspiele? Mit Sicherheit hatte jedes der Kinder ein Handy. Noch wahrscheinlicher sind natürlich Klingeltöne.
Aber ich habe jetzt den gemeinsamen Nenner aller Vorfälle entdeckt:
Alle Kinder gingen zur Schule!

So, genug gelacht. Aber ernsthaft - warum finden die Massaker meistens in Schulen und an Lehrern oder Mitschülern statt? Weil Kinder die Schule und ihre Mitschüler hassen! Ganz einfach.
Jeder hasst mal die Schule, weil man nicht dazugehört, gehänselt wird oder weil man feststellen muss, dass das Leben nicht immer ein Kinderspiel ist. Nur wurden Kinder früher nach der Schule in ein soziales Umfeld entlassen, in dem solche Probleme angesprochen oder durch Selbstwertgefühl kompensiert wurden.
Aber viele Eltern sind nach ihrem Tagwerk zu erledigt, um sich auch noch die Sorgen anderer anzuhören und überlassen ihre Kinder dem Fernsehen und dem Computer. Aha, Computer? Ja, aber Computer bieten nur das gleiche, was Karl May meinen Eltern bot - Phantasiewelten. Ein alternatives Leben. Deshalb haben Kinder früher Cowboy und Indianer gespielt. Mit Holzpistolen (... man hatte ja nichts). Aber heute haben sie anscheinend zum einen keine Probleme in Besitz von echten Waffen zu kommen und zum anderen weniger Hemmungen andere Menschen zu verletzen.

Woran liegt das? Mangelnde Erziehung und der Niedergang des Ostblocks. Was wofür ursächlich ist, muss jeder selbst entscheiden.

Donnerstag, Juni 29, 2006

Gedankenfraß

In den letzten Jahren lege ich vor dem Schlafengehen manchmal ein Hörspiel aus meiner Kindheit in meinen PDA. Das ist nicht immer entspannend, hilft aber um das Aggitationslevel auf ein schlafbares Niveau zu senken.
Und nachdem ich meine ??? Kassetten alle durch hatte, habe ich mich nach anderem Stoff umgesehen. Das nächstbeste waren die TKKG Kassetten. Die konnte ich damals schon nicht ausstehen, weil die Titelmelodie so unerträglich war. Das hat mich vermutlich vor großem Schaden bewahrt. Denn jetzt im Abstand von 20 Jahren wird mir schon fast physisch übel bei den bieder-reaktionären Ansichten, die in jeder Folge vermittelt werden.

Kinder von Verbrechern sind grundsätzlich Strolche und Klassenrüpel. Punker, Rocker, Vegetarier und anderes suspektes Pack, einfach jeder, der nicht normal ist, muss verhaftet werden. Das macht die Ermittlungen einfacher, weil man immer nur den auffälligsten Leuten nachspionieren muss, und schon erfährt man über irgendwelche kriminellen Machenschaften.
Und wenn man mit Scharfsinn nicht weiterkommt, lösen angedrohte Prügel jedes Problem.

Und der Faden der Indoktrinierung zieht sich sogar bis in halbwegs aktuelle Folgen. In der neuesten Folge, die ich gehört habe, gab es folgende Highlights:
  • Zum Thema Aborigines: "die reiten auf Känguruhs und werfen mit Boomerangs."
  • Beim Radfahren wurde telephoniert. Das wiederspricht geltendem Recht und wurde kurz thematisiert. Aber scheiss drauf. "Ich hatte ja den Verkehr im Blick."
  • Einem angetrunkenen Verdächtigen hat Bandenmitgleid Carsten die Brieftasche geklaut, weil man sonst den Namen und die Adresse nicht rausbekommen hätte.
Merke: ein Hobbydetektiv muss sich nicht an alle Gesetze halten. Nur Kapitaldelikte sind verboten - der Rest ist diskutabel.

Ich kann nur eindringlich vor diesen Machwerken warnen!

Mittwoch, Juni 28, 2006

Michael Jackson will nach Europa

Laut aktuellen Meldungen aus der Klatschpresse, will Michael Jackson doch nicht in Bahrain oder wo auch immer er jetzt ist, bleiben.
Er will nach Europa.

Ich finde Belgien wäre perfekt. Kurze Wege nach London, Paris und Berlin. Ideal.

Samstag, März 25, 2006

Ohne Handys geht's nicht mehr

In dieser Woche wird ja darüber diskutiert, ob man Handys an Schulen generell verbieten sollte oder wie man sonst dem Austausch von nicht kindgerechten Videos Herr werden soll.

Eines der Argumente dafür, Handys nicht pauschal aus den Schulen zu verbannen, war:
"Die Eltern müssen ihre Kinder ja erreichen können."

Und warum? Warum müssen Eltern ihre Kinder in der Schule erreichen können?
Was schicken Eltern ihren Kindern in der Pause auf's Handy? "Sei Pünktlich, sonst wird das Essen kalt.", "Vergiß nicht wieder deinen Turnbeutel.", "Papi holt Dich um 13 Uhr 40 ab." ??
Was wird da übermittelt, was man nicht schon am Abend vorher hätte sagen können und was nicht warten kann, bis das Kind wieder zu Hause ist?

Unsere Zeit mag ja schnelllebiger (zwei oder drei "L"?) geworden sein, aber ich denke, Kinder sollten sich in der Schule auf den Unterricht konzentrieren und nicht auf die Organisationsunfähigkeit ihrer Eltern.
Und wenn doch mal was wirklich wichtiges ist: Man kann auch im Sekretariat der Schule anrufen, um sein Kind nach Hause zu ordern.

Die Mißbrauchsmöglichkeiten von Handys in Kinderhand sind, wie man derzeit in journalistisch überzeugenden Sendungen wie "Akte 06", die sich nur mit Schmuddelthemen befassen, um uns auzurütteln, und nicht wegen der Quote,
immer wieder sieht, deren zwingender Notwendigkeit zahlenmäßig überlegen.

Man könnte ja an allen Schulen einen Handywart einstellen, bei dem Handys abgegeben werden müssen und der Gespräche und SMSe während der Unterrichtszeit entgegennimmt und im Bedarfsfall darauf reagiert. Das wäre doch mal wieder eine Gelegenheit ein paar tausend Leute von der Strasse zu holen.
Ach, ich habe doch immer die besten Ideen.

Donnerstag, März 16, 2006

Killerspiele unter uns

Und gleich zum warm werden mal ein Link auf eine Nachricht von gestern:
Kriminologe Pfeiffer fordert rigides Vorgehen gegen "Killerspiele"

Mein Lieblingszitat:

Der durchschnittliche männliche Hauptschüler bringe es auf fünf Stunden Medienkonsum am Tag. "Das ist ein krankes Leben"

Vielen Dank, Herr Pfeiffer. Ich finde Ihr Leben auch viel angenehmer.

Aber die ganze Diskussion finde ich ziemlich unerquicklich. Immerhin wird diesesmal nicht unter dem direkten Eindruck eines blutigen Verbrechens mit dem zugehörigen Boulevardjournalismus im Nacken diskutiert.
Die Süddeutsche hat heute neben einigen nicht minder undifferenzierten Gegenthesen ein brauchbares Schlusswort gefunden (ich finde den Link leider nicht mehr). Aber es lautete in etwa wie folgt:
Computerspiele haben ebenso wie Filme eine FSK Alterfreigabe. Wenn trotzdem Spiele, die für Kinder ungeeignet sind, in deren Hände gelangen, ist es nicht die Schuld der Spiele oder Spielehersteller.
Und ein blankes Verbot von bestimmten Spielen, wird Dank der diversen online Tauschbörsen unsere computerfachkundige Jugend nicht daran hindern, diese in ihre Finger zu bekommen.

Mein Fazit dazu ist das gleiche wie zu den Themen Bildungsmisere, Drogenmißbrauch und Jugendkriminalität:
Erwachsene (und insbesondere die Eltern) sollten sich mehr mit ihren Kindern beschäftigen. Diese Erkenntnis ist nicht wirklich neu und wurde schon von vielen Menschen geäußert, die klüger sind als ich.
Wie bringt man aber gerade die Eltern der üblichen Verdächtigen dazu, sich mit ihren Kindern zu beschäftigen? Die Antwort darauf muss ich schuldig bleiben. Die Worte Kirche und Gemeinde liegen mir auf der Zunge, aber wer braucht das schon, wenn man 34 Känäle im Fernsehen hat, oder hat überhaupt die Zeit dafür?